Tag-Archiv für 'norm-und-abweichung'

Standesamt

Neulich war ich im Standesamt Berlin-Mitte und es ist echt erschreckend: Da hängen tatsächlich ausschließlich Fotos von glücklichen Hetero-Paaren…

Horror als Alltag

Für Buffy-Interessierte gibt es seit kurzem dieses nette Buch beim Verbrecher Verlag:

Buffy ist ein Mädchen, das Dämonen mächtig auf die Mütze gibt. Herrschaftliche Strukturen, die in der Real World so schwer zu fassen sind, erhalten ein Gesicht, in das man schlagen kann. Soweit so schön, aber leider nur für den Zuschauer. Denn Buffy selbst kriegt durch ihren »Job« ganz andere Probleme in der Highschool, später im College und im dämonenfreien Teil ihres Alltags. Und zwar solche, die man nicht verprügeln kann. Hier hat die Struktur kein Gesicht mehr. Im Medium des Phantastischen werden so Heteronomie-Erfahrungen auf eine verbindliche Weise thematisiert, wie es vermeintlich authentischen Abbildern und moralischem Bildungsfernsehen nicht möglich ist. In zehn Artikeln streitet das Buch auch darüber, ob sich der kritische Gehalt der Fernsehserie an ihren Kunst- oder aber gerade an ihren Kulturindustriecharakter binden lässt.

Verbrecher Verlag

Demokratiepreis abgelehnt!‏

Gestern hat der Verein AKuBiZ aus Pirna den mit 10.000 Euro dotierten abgelehnt. Dieser u.a. von der Amadeu Antonio Stiftung und des Landes Sachsen ausgerufene Preis wurde zurückgewiesen, weil man dafür eine Grundsatzerklärung hätte unterschreiben müssen. Neben der Zusicherung zur Freiheitlichen Grundordnung hätte diese Erklärung auch von dem Preisträger verlangt, alle potenziellen Partner_innen der eigenen Arbeit auf Extremismus hin zu überprüfen. AKuBiz bietet seit Jahren politische Bildungsarbeit gegen Rassismus und Antisemitismus in einem Landstrich an, in dem man demokratische Kultur mit der Lupe suchen muss. Wer gerne sein solidarisches Verhalten gegenüber einer so konsequenten Entscheidung ausdrücken möchte, sei auf den unten angeführten Spendenaufruf verwiesen.
Unter http://ablehnung.blogsport.de bzw. unter
http://www.akubiz.de kann man weitere Informationen zum Thema erfahren und sich auch als Unterstützer_in eintragen.

Frau in der Uni

Wie es ist sich als Frau durch den akademischen Alltag zu schlagen ist hier sehr schön beschrieben: What is it like to be a woman in philosophy?

I was having a conversation with a fellow (male) undergraduate student who I had helped, on a number of occassions, with papers, studying for tests, etc. He complained that getting into graduate school would be very difficult for him, but I would get in “just for being a girl.” There were two of our professors present. One laughed, the other nodded. He got into graduate school. I did not.

pop:sch

Das hier hat mir gerade den verregneten Montag-Morgen versüßt:

Die Band pop:sch aus Wien versteht sich als queer und bastelt gerade an einem Album – ich hoffe, die geben dann auch Konzerte – ich würd‘ da sofort hingehen…

gefunden bei Mädchenblog

Fuck Polyamory?

In der aktuellen konkret schreibt Iris Dankemeyer über Polyamorie, was heißt schreibt, sie kotzt sich über Polyamorie aus, und es ist echt peinlich sowas in einer linken Zeitung zu lesen. Man muss nicht alles toll finden was Polyamorie betrifft und man muss es schon gar nicht selbst leben, aber einen emanzipativen Ansatz so leichtfertig in die Ecke zu stellen ist einfach nur peinlich!

Schroedter und Vetter wenden das immerhin noch politisch – Liebe steht im „Zentrum machtpolitischer Interessen“ und bilde „zwischen den gesellschaftlichen Ensembles von Sexualität, Freundschaft, Solidarität und Glauben ein Dispositiv“. Diese „Normativität“ ist das Böse, zu dem „das Subversive als produktives Element“ den entsprechenden Gegenpart bildet. Die Werte der Polyamory seien von Solidarität durchzogen, so daß „eine Aufrechnung, wie sie die Tauschwertlogik impliziert, völlig ausgeschlossen“ sei. Die „Integrität“ von Polyamory stehe der „Marktradikalität“ diametral entgegen. Hier formiert sich Widerstand „gegenüber dem Leistungsdruck des herrschenden Alltags“, geeignet, „den Schein der Warenwelt zu entzaubern“. Make Polyamory Not Capitalism.

Mir kommt es fast so vor, als ob sie den Polyamorie-Band von theorie.org absichtlich falsch gelesen hat, nur um einen Negativ-Text schreiben zu können.
Dazu auch eine Diskussion im Mädchenblog

A Lady Made That

„watch me while i contribute these rhymes to your face.“
Das ist echt gut:

oder das:
„for the full answer to that, read my master’s thesis“

oder das:
„It’s a rape whistle, without the ‚e‘.“

Judith Butler lehnt Berlin CSD Zivilcouragepreis ab!

Am Freitag hatte Judith Butler in der Volksbühne einen Vortrag zu queerer Bündnisarbeit und Kriegspolitik gehalten, und wurde in der Diskussionsrunde gefragt, wie sie denn einen Preis einer so homonormativen Veranstaltung wie dem CSD annehmen könne. Dazu meinte sie, dass sie sich darüber noch nicht ganz sicher ist, und so kam es dann auch zur Ausschlagung des Preises:

aus der Presseerklärung von SUSPECT vom 19. Juni

Als Berliner Queer und Trans-of-Colour-AktivistInnen und Verbuendete begrüßen wir die Entscheidung Judith Butlers, den Zivilcouragepreis des Berliner CSD e.V. abzulehnen. Wir freuen uns, dass eine renommierte Theoretikerin die öffentliche Aufmerksamkeit, die ihr zu Gute kommt, nutzt, um Queer-of-Colour-Kritiken gegen Rassismus, Krieg, Grenzen, Polizeigewalt und Apartheid zu würdigen. Wir schätzen vor allem ihren Mut, die Nähe der Veranstalter zu homonationalen Organisationen offen zu kritisieren und zu skandalisieren. Ihre couragierte Rede ist nicht zuletzt auch das Resultat ihrer Offenheit für neue Anstöße, und ihrer Bereitwilligkeit, sich mit unserer jahrelangen aktivistischen und akademischen Arbeit auseinanderzusetzen, die allzu oft isoliert, prekarisiert, angeeignet und instrumentalisiert wird.

(SUSPECT is a new group of queer and trans migrants, Black people, people of
colour and allies. Our aim is to monitor the effects of hate crimes debates and
to build communities which are free from violence in all its interpersonal and
institutional forms.)

Die taz schreibt dazu:

Die Veranstaltung sei ihr zu kommerziell ausgerichtet und richte sich nicht genügend gegen Probleme wie Rassismus und doppelte Diskriminierung von beispielsweise Migranten, die homosexuell oder transsexuell empfinden.

Man dürfe sich nicht vor den Karren von Organisationen spannen lassen, die im Namen einer queeren Gemeinde Kriege führten und Bündnisse eingingen, in denen Rassismus sowie Antisemitismus geduldet würden, so Butler weiter.

sie dazu auch Im Garten mit Satie

Shitstorm für Kristina Köhler

Auslöser war dieser Tweet von gestern Abend:

Auf dem MarxBlog sind einige Reaktionen dokumentiert:

Gestern 22:30. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder wendet sich nach dem “einmaligen Kraftakt” (vulgo Sparpaket) der Regierungskoalition via Facebook und Twitter an das Volk: “Ich habe als Abgeordnete aus voller Überzeugung der Schuldenbremse zugestimmt. Dann muss ich mich jetzt auch am Sparen beteiligen.” Auf Facebook gefällt das 26 32 Leuten. “Natürlich ist die Elterngeldstreichung für Hartz IV-Empfänger hart.” Immerhin gefällt das noch 5 Leuten. Und dann:

Auf dem Blog von Antje Schrupp gibt es eine sehr lesenswerte Analyse zur Entwicklung des Elterngeldes in der letzten Jahren.

via Genderblog

Rassistischer WM-Spot auf ZDF

Am Samstag bin ich beim Fernsehen über den rassistischen WM-Spot im ZDF gestolpert. Ich verstehe echt nicht, wie so etwas passieren kann: Oliver Kahn und die Sportstudio Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein sind auf einer Safari, als plötzlich eine große Gruppe von Leuten an ihnen vorbei rennt und Kahn erklärend zu ihr sagt: „Wild auf Fußball!“ Es ist wirklich schlimm, dass ein öffentlich-rechtlicher Sender sich bei einem so sensiblen Thema nicht besser beraten lässt. Naja, und das ist wahrscheinlich auch erst der Auftakt…

Um die Woche aber auch mit etwas Nettem beginnen zu lassen: