Archiv der Kategorie 'Norm und Abweichung'

Frauen im Film – der Bechdel-Test

Anita Sarkeesian von Feminist Frequency hat einen kurzen Film zum „Bechdel-Test” gemacht. Dies ist ein Test, mit dem die aktive Präsenz von Frauen und die Komplexität ihrer Charaktere in Filmen erfasst werden kann. 1985 „erfand” ihn Alison Bechdel, Zeichnerin des Comics Dykes to Watch Out For. In dem Comic erklärte ein Charakter, sie schaue nur Filme, die die folgenden drei Kriterien erfüllen:

1. mindestens zwei Frauen kommen in dem Film vor
2.sie reden auch miteinander
3. über ein anderes Thema als einen Mann

aber seht selbst:

via…

So und für die nächsten Wochen ist hier Funkstille – Kratzbürste macht Ferien…

Spannend: GenderCamp

Das GenderCamp findet vom 7. bis 9. Mai 2010 im ABC Bildungs- und Tagungszentrum in Hüll (bei Hamburg). À la BarCamp/Open Space/Unkonferenz geht es beim GenderCamp um Themen aus den Bereichen, Schnittmengen und Zwischenräumen von Gender/Queer/Feminismus und Internet/Netzkultur, und hier vor allem die Frage nach queer-feministischer Handlungsfähigkeit und Praktiken im Internet.

Oh, da würde ich ja gerne hinfahren….

„Ihr durchtriebenen, miesen F*****!“

Wie geht man mit so einem Hass um? Wie gehe ich als Privatperson damit um, wie gehen wir als Blogbetreiber_innen damit um? Ist es überhaupt sinnvoll, Beiträge wie „Frauen sind wie Hündinnen – die lassen sich nämlich auch mal gern von hinten ficken“ kommentarlos zu löschen? Wäre es nicht vielleicht doch sinnvoller, offensiver damit umzugehen? Was ist die richtige Art, so etwas zu begegnen? Wie reagieren andere Blogs oder Feminist_innen, die in der Öffentlichkeit stehen, darauf? Gibt es ihn überhaupt, den einen richtigen Weg?

In ihrem Beitrag schreibt Anna Berg von der Mädchenmanschaft über den Umgang mit sexistischen Kommentaren im Internet. Interessant an den Kommentaren zu diesem Text ist, dass sofort wieder die Klischees von den männerhassenden Feminist_innen, die ja auch nicht viel besser seien, herausgeholt werden.
Aber es gibt auch einige gute Vorschläge zum Umgang mit dieser Problematik.

Bloggende Nicht-Männer

Ich habe gerade noch mal diesen Artikel bei der Mädchenmannschaft gefunden.

Statt uns gegenseitig die Abkotz-Tüten zu reichen, überlegte ich, warum eigentlich konfrontieren wir die selbsternannten Alpha-Blogger nicht mit unserer Kritik und zeigen Präsenz in der Diskussion: Hey, wir sind auch noch da! Philip Banse, der seine Interviewserie ausschließlich mit meinungsmachenden Männern besetzt hat, muss vielleicht einfach sehr deutlich darauf hingewiesen werden, dass auch Bloggerinnen Meinungen haben und machen.

Insbesondere einige Kommentare sind so dämlich und zeigen genau das, was in dem Artikel zuvor kritisiert wurde.

„100 Aufgaben, die Mädchen wirklich begeistern“

Das Verlagshaus Pons setzt auf alte Stereotype und gibt nun Schulhefte mit Aufgaben nur für „Mädchen“ und Aufgaben nur für „Jungen“ heraus.

Das liest sich dann so:

Die Drillings-Meerjungfrauen Nele, Mia und Lara wollen sich genau den gleichen Haarreif und Flossenstrumpfhosen kaufen – wie viele Dinge kaufen sie insgesamt? Prinzessin Rosarot hat 45 Glitzersteine in ihrem Säckchen – wie viele Steinchen hat sie verschenkt, wenn sie nur noch 15 übrig hat?

Mehr Beispiele gibts in der Taz.

Uhhaah, bin ich froh, dass ich nicht mehr zur Schule muss und mir selbst aussuchen kann, was ich lese.

Fuck You!

Habe eben hier dieses süße Video zum Lily Allen-Song Fuck You gefunden. Die Lyrics dazu gibt es auch hier bei KopfundHerz.

Caster Semenya

Caster Semenya siegte am Mittwochabend bei der Leichtathletik WM in Berlin in Weltjahresbestzeit von 1:55,45 Minuten und löste durch ihre „männliche“ Erscheinung eine große Mediendiskussion um ihr „wahres“ Geschlecht aus. Damit rücken Themen wie Inter- und Transsexualität in die öffentlichen Debatten. An einigen Stellen werden diese sehr offen geführt und damit durchaus starre Geschlechterbilder irritiert: so geht z.B. Werner Bartens in der Süddeutschen davon aus, dass „möglicherweise ja letztlich entscheidend (ist), als was man sich fühlt.“ Aber eben nur möglicherweise, so ganz will er sich dann doch nicht festlegen.
Ganz schwer tut sich in dieser Hinsicht die Taz, die fast verzweifelt versucht an den so schön einfachen Binaritäten festzuhalten:
„Nun ist es gar nicht so einfach, im Zweifelsfall zu sagen, ob es sich um ein Männlein oder ein Weiblein handelt: Echte Zwitter, also Menschen mit äußeren Merkmalen beider Geschlechter, sind rar.“
Ja, das ist schon bitter, wenn man merkt, dass die Welt doch nicht so simpel gestrickt ist wie man denkt, und Geschlecht eben doch keine ontologische Konstante ist, auf die man sich immer verlassen kann…

Mädchen zeichnen Mangas für Mädchen…

Wie wahrscheinlich die allerwenigsten von euch wissen, schreibe ich gerade eine Dissertation über (ganz verkürzt gesagt) Geschlechtskonstruktionen im Visual Kei. Dabei bin ich vor kurzem auf ein erstaunliches Phänomen gestoßen:

In der Manga-Welt – für dich ich mich bisher so gar nicht begeistern konnte – gibt es Comics, die sich ausschließlich um das Liebes- und Sexualleben männlicher homosexueller Protagonisten dreht. Das Genre nennt sich Boy`s Love oder Shônen Ai (jap. Jungenliebe) und gehört zu den beliebtesten im Manga-Bereich. Shônen Ai-Mangas werden fast ausschließlich von Frauen für Frauen kreiert und lehnen sich in optischer Weise stark an das Bishônen genannte Männerideal der Mangas für Mädchen an.

Das Genre hat sich in den 1970er Jahren unter einer Gruppe revolutionärer Bilderzählerinnen herausgebildet, der Gruppe der 48er. So wird eine Reihe von weiblichen Mangaka genannt, die die Männer endgültig aus dem Shôjo-Manga vertrieben hat und die durch neue Bildideen, angelehnt an den Jugendstil, und durch das Einbringen von Science-Fiction- und Fantasy-Elementen die Bandbreite des Mädchencomics in Japan erweitert hat. Neben den Shônen Ai-Mangas gibt es noch die Subkategorie Yaoi. Hier wird dann von der ewig gleichen Story: Jungs verlieben und küssen sich in Internat oder Schule, abgewichen und es geht richtig zur Sache. Mittlerweile gibt es das Ganze auch als Yuri-Manga mit lesbischen weiblichen Protagonistinnen, und ist vor allem an ein männliches Publikum gerichtet.

Und weil das alles so ein wichtiges hochaktuelles Thema ist, ist auch gleich die Jungle World auf den fahrenden Zug gesprungen: http://jungle-world.com/artikel/2009/23/35211.html