Linke Selbstkritik?

Zum Thema rechter vs. linker Gewalt outet sich Gereon Asmuth in der TAZ als linker Staatsfan, dem es nicht zu blöd ist, sich die demokratische Herrschaft als seinen Idealen gemäß zurechtzudeuten. Nachdem er klargestellt hat, dass der Kampf gegen Nazis die demokratische Aufgabe jeder Person ist, beklagt er die fehlende Selbstkritik der Antifa. Er stört sich daran, dass diese nicht nur „Gesicht zeigt“ sondern tatsächlich auch zu gewalt- und wirkungsvolleren Mitteln greift.

Unübersehaber aber ist leider auch ein Aufarbeitungsdefizit auf Seiten der Linken – vor allem beim Umgang mit körperlicher Gewalt. Jeder ist aufgefordert, Nazis gegenüber Gesicht zu zeigen. Auch Selbstverteidigung gegenüber brutalen Nazis ist okay. In allen anderen Fälle aber muss es beim Versuch bleiben, mit dem Intellekt die rechte Ideologie zu übertrumpfen. Das ist leider eine Sisyphosaufgabe. „Thor Steinar“-Klamottenträger wird man so nicht aus dem Kiez vertreiben. Doch Gewalt erzeugt nur Gegengewalt. Wer sie anwendet, lässt sich herab auf das Niveau des Gegners.